Badewannen Gespräche

Was soll der ganze Scheiß und die Frage:
„Wer bist du?“

Es ist schon einige Jahre her, wir waren noch jung und ich selbst schon seit einiger Zeit auf meinem spirituellen Weg. Unsere beiden großen Söhne waren noch klein und wir bauten gerade unser Nest…

Zugegeben, das meiste baute mein Mann, ich räumte ihm eher den jeweiligen Raum frei in dem er als nächstes arbeiten wollte. Dazu muss ich euch auch erzählen, dass wir damals vor über 20ig Jahren in einen Rohbau eingezogen sind. Mit zwei Kleinkindern und der einzige Raum der fertig war, war unser Klo. Das ganze restliche Haus war sozusagen Jungfräulich. Wie sich über die Jahre herausstellte, war das auch sehr gut so.

Das Haus wuchs mit uns und wir mit ihm. Wir hatten die Möglichkeit die Räume unseren jeweiligen Bedürfnissen anzupassen. In unserem „Badezimmer“ stand eine große Badewanne. Nur diese Badewanne auf dem Estrich – sonst nichts. Über der Badewanne war ein großes Dachfenster und mit Kerzen im Raum war es dort richtig schön romantisch. Wir liebten es beide gemeinsam nach einem anstrengenden Tag mit Broterwerb, arbeiten auf dem Bau und versorgen der Kinder gemeinsam zu baden. Stundenlang, bis die Haut am ganzen Körper faltig aufgeweicht war. Oft hatten wir sehr intensive, tiefgehende Gespräche an diesen Abenden.

Von einem dieser Gespräche möchte ich euch heute erzählen.

Wie ich oben bereits erwähnt habe, war ich schon seit einiger Zeit auf meinem spirituellen Weg. Damals hatte ich gerade meine Freude aus Nordamerika kennen gelernt und zuvor mehrere Kurse für Reiki und andere Energietechniken besucht. Meine erste Schwitzhütte hatte ich kurz zuvor besucht und ich konnte für mich selbst erfahren, wie ich mehr und mehr zu meinem Selbst fand. Das ich mich auf einem Weg befinde der noch lange weiter gehen wird, war mir damals schon bewusst. Genau genommen gehe ich noch immer diesen Weg und ich habe keine Ahnung wie lange er noch dauert. Wir saßen also in unserer Badewanne, bei einem Glas Wein und Kerzenschein als mein Mann mich fragte:

„Warum machst du eigentlich diesen ganzen Scheiß?“

Ich schaute ihn an und fragte zurück: „Wer bist du?“
Er war verwirrt:“ Wie meinst du das?“
Ich schaute ihn ernst an und antwortete:“ Wenn du dich beschreiben müsstest, wer du bist, wie würdest du das machen?“
Er überlegte und begann seine Beschreibung: “Ich bin Masi, die Leute kennen mich. Ich bin der mit dem türkisen Buggie. Ich sammle Emailschilder, das ist schon etwas besonderes. Außerdem bin ich ein wenig verrückt und ich baue hier mein Haus selbst. Das macht auch nicht jeder.“
„Okay“, antwortete ich. „Jetzt stellst du dir vor, dass du warum auch immer, von heute auf Morgen dein Haus verlierst, deine Arbeit. Du musst den Buggie und deine Sammlerschilder verkaufen und in eine 3 Zimmer Sozialwohnung ziehen. Was tust du dann? Wer bist du dann?“
Er dachte lange über meine Frage nach. Als er antwortete konnte ich sehen, dass er sehr ernsthaft über seine Antwort nachgedacht hatte. „Ich hoffe, dass dann wenigstens meine Familie, also du und die Jungs noch hinter mir stehen.“
Ich schaute ihn an und antwortete:“ Was völlig nutzlos ist, wenn du dich selbst verloren hast.“

So begann unsere gemeinsame Suche, unser Finden nach uns selbst. Gemeinsam und doch jeder für sich. Auf unserem Weg, habe ich für mich vor allem eines gelernt. Mein Herzenspartner kann niemals dafür da sein, mich glücklich zu machen oder meine Erwartungen zu erfüllen. Das kann nur ich selbst.

Wenn ich nun einen Partner an meiner Seite habe, der ebenso für sich diese Eigenverantwortung übernimmt haben wir gemeinsam die Möglichkeit glücklich zu sein. Dazu gehört sicher ein großes Maß an Vertrauen, Kommunikation und Ehrlichkeit. Wir sind älter geworden, mein Mann und ich. Dieses Gespräch ist nun über 20ig Jahre her. Es gab in diesen Jahren Höhen und Tiefen in unserer Beziehung. Doch wir haben immer darüber gesprochen. Ich denke jeder Mensch kann nur so viel Lieben, wie er oder sie sich Selbst liebt. Das ist der eigentliche Sinn hinter dem Gebot: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“

Um mich selbst zu lieben ist es wichtig mich selbst zu erforschen, zu entdecken und zu entfalten. In meinem ganzen heiligen Licht der Schöpferkraft die wir, wir alle sind. Womit wir wieder bei der Anfangsfrage angekommen sind: „Was soll der ganze Scheiß und wer bist du?“

@Sabrina Dengel

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